Sekt und Brezel

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This article was written on 03 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Aufstand proben?

IMG_9851Theaterarbeit macht nicht reich. Zumindest nicht an Geld. Reichtum muss aber auch gar nicht sein. Ein einigermaßen angenehmes Auskommen, dass hin und wieder einen Urlaub sichert und es abfedern kann, wenn mal die Waschmaschine kaputt geht, das wäre schon eine schöne Sache. Leider sind viele viele Theatermacher*innen nicht in einer finanziell glücklichen (noch nicht mal mittelguten) Lage, sondern immer ganz kurz vor der Katastrophe. Absurderweise obwohl sie bis zur Erschöpfung arbeiten. Anfangs hält der Idealismus die Moral oben, aber irgendwann bahnt sich der Frust darüber, dass es für alles mögliche Geld zu geben scheint, außer für Kunst und Kultur, zwangsläufig seinen Weg. Es wäre gewiss möglich die Branche zu wechseln. Aber erstens ist die Frage, ob es woanders tatsächlich besser und gesicherter ist. Und zweitens gibt es für die Allermeisten gute Gründe, sich für die Theaterarbeit und gegen etwas anderes entschieden zu haben. Die Umstände sollten die Branche wechseln. Und zwar von der ungerechten in die gerechtere. Das fanden auch Studierende der Angewandten Theaterwissenschaft aus GießenDie waren mit ihrer Arbeit „Leaving the 21st century – sozialistische Schauspieler waren schwerer von der Idee eines Regisseurs zu überzeugen (ist jetzt aber nicht mehr so!) Boykotts are much easier now“ zum 6. Osterfestival der Kunsthochschulen am Maxim Gorki Theater in Berlin eingeladen. Am 31. März und 1. April sollten die Bühnen des MGT jungen Künstler*innen gehören, die „ohne Druck“ ihre Arbeiten in einem „professionellen Rahmen“ präsentieren sollten. Das Motto lautete dieses Jahr: Aufstand proben!.

Womit das MGT nicht gerechnet hat: Die Gießener Studierenden probten den Aufstand nicht. Sie führten einen durch. Und besetzen die Hinterbühne. Ihr Protest richtete sich gegen die Prekarisierung von Künstler*innen im Allgemeinen und gegen das Festival im Besonderen. Denn: Das MGT zahlte weder Anfahrt noch Aufwandsentschädigungen, noch Übernachtungskosten, noch Produktionskosten.

Es ist leicht sich vorzustellen, was dort am Sonntag Abend los gewesen sein muss. IMG_9731Noch leichter wird es, wenn ihr euch hier umschaut. Auf der Facebook Seite des Osterfestivals gibt es eine Diskussion zu der Aktion, die es in sich hat. Es waren nämlich längst nicht alle Teilnehmer*innen des Festivals auf der Seite der Protestierenden. Denn durch die Besetzung der Hinterbühne vielen alle anderen hier geplanten Vorstellungen ins Wasser. wobei das nicht hätte sein müsse. Die Gießener*innen hatten den anderen Teilnehmer*innen angeboten, im Rahmen des Aufstandes zu spielen. Aber dazu kam es nicht. (Was mich sehr sehr wundert!) Dass das MGT keine Luftsprünge gemacht hat, könnt ihr euch natürlich denken.

Für die Nachtkritik war es eine Meldung wert, ebenso für die taz. Ich wäre gerne da gewesen.

One Comment

  1. […] Diskussion um den Aufstand der Angewandten Theaterwissenschaftler*innen aus Gießen beim 6. Osterfestival im Maxim Gorki Theater läuft immer noch. Z.B. auf facebook, […]

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