Sekt und Brezel

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This article was written on 02 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Der Idiot in Köln. Lohnt sich. Sagt der Bootcamper.

IMG_9999 Da standen wir also letzten Mittwoch Abend. Bewaffnet mit 4 mal Sekt und 4 mal Brezel, um unsere ersten Gäste zu „Im Theater mit…“ zu empfangen. Richtig ein bisschen aufregend war das! Weil erste Male immer aufregend sind und weil es komisch ist, Gäste zu empfangen, dabei aber selbst welche zu sein – vom Schauspiel Köln nämlich. Darüberhinaus waren wir beide vorher noch nie Besucherinnen der Spielstätte EXPO XXI, die uns aber direkt viel Spaß gemacht hat. Das angenehm kühle und strukturierte Design des Hauses um Intendantin Karin Beier setzt sich in der Gestaltung des Ausweichspielortes fort und macht in seiner Konsequenz Lust auf mehr. Das Programmheft war toll: Eine Mischung aus guten Texten (u.A. von Walter Benjamin, findet ihr auch hier) und Abbildungen von coolen Oldschool Filmplakaten von eben „Der Idiot“. Das Heft vertrieb uns die Zeit, bis Saskia und Christoph vom Original Bootcamp eintrafen. Hier lernten wir unsere erste Lektion: Ein Abend der um 19:00 beginnt, beginnt zu früh für „Im Theater mit…“ Denn die beiden kamen tatsächlich direkt aus dem Büro angesprintet, die arme Saskia  stand sogar noch im Stau und machte eine genaue Punktlandung. Schade war das, wir hätten gerne noch mehr Zeit gehabt um beide nach ihren Theatererfahrungen zu fragen, den Sekt zu trinken und die Brezel in uns rein zu krümeln.

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So haben wir das auf die Pause verschoben, was sein gutes hatte. Trotz des Stresses den wir den Beiden verursacht haben, waren sie guter Laune und hatten Bock sich auf die angekündigten 4 Stunden 15 Minuten einzulassen. Wobei… Saskia wusste gar nicht, was ihr blüht, hatte Christoph wohl ein bisschen vergessen ihr zu erzählen. Aber auch als sie diese Info erhielt, tat das ihrer guten Laune keinen Abbruch. Ich muss gestehen, ich hatte Respekt vor der Zeitspanne, aber wie auch einen Klopper wie „Der Idiot“ in leicht konsumierbare anderthalb Stunden packen?

Christoph verriet uns vorher, dass er am liebsten Komödien im Theater schaut und seine Lieblingsinszenierung „ Der eingebildete Kranke“ im Theater Tiefrot war. „Warten auf Godot“ im Schauspiel Köln war hingegen eine üble Erfahrung, inklusive Münzwurf in der Pause, der über gehen und bleiben entschied. Dummerweise entschied das Schicksal sich fürs bleiben und sorgte für schmerzhafte Langeweile. In der Hoffnung, dass die Kölner mit „Der Idiot“ nun  interessanteres zu bieten haben, hockten wir uns in die letzte Reihe. Nicht die besten Plätze, aber wir konnten froh sein, überhaupt noch welche ergattert zu haben, denn die Hütte war voll bis in die letzte Ecke. Und überhaupt ist die letzte Reihe grade bei  einem so langen Abend nicht das schlechteste, falls die Augen dann doch mal schwer werden sollten. Klingt unqualifiziert, ist aber so. Bis zur Pause bestand diese Gefahr allerdings kein bisschen. Die ersten zwei Stunden saßen wir alle aufmerksam, gespannt, gebannt da und sowohl Christoph als auch Saskia plauderten in der Pause IMG_0009fröhlich über das Gesehene. Wir stärkten uns mit dem Sekt und  der Brezel und waren alle guter Dinge. Nach der Pause änderte sich das: Die Sitze wurden unbequemer, die Beinsituation unangenehmer, hin und wieder verstohlen auf die Uhr geschaut. Als der Applaus verebbte hatten wir aber nicht den Eindruck, dass die Inszenierung oder die Schauspieler*innen die Schuld trugen an der schwächelnden Konzentration, sondern die Länge, die Uhrzeit und ein vorangegangener harter Arbeitstag.

„Es zählt einzig und allein das Leben.“IMG_0003

Wie gerne würde ich euch jetzt ein ausführliches Gespräch mit den beiden über den Abend zur Verfügung stellen. Aber, und das ist die zweite Lektion, die wir gelernt haben, die Inszenierung war schlicht und einfach zu lang, um sich danach noch bei einem Getränk über das Gesehene auszutauschen. Interessant war, dass beide auf die Frage nach ihren Eindrücken wie aus der Pistole geschossen mit Zitaten antworten konnten, die auf sie besonderen Eindruck gemacht hatten. (s.o)

Ich könnte jetzt sehr ausführlich beschreiben, was Emese und ich auf der Zugfahrt zurück nach Dortmund besprochen haben, aber das wäre nicht das, was die Rubrik verspricht und halten soll. Eigentlich sollen die Menschen, die wir bitten mit uns zu gehen zu Wort kommen. Deshalb haben wir Christoph ein paar Fragen per Mail geschickt, die er in einer ruhigen Minute beantworten konnte, damit ihr zumindest einen kleinen Eindruck bekommt, wie der Bootcamper den Abend empfunden und gesehen hat. Wer noch mehr wissen möchte, kann gerne einen Kommentar hinterlassen, darüber würden wir uns sowieso sehr freuen!! Über Mails auch. Oder was bei Facebook.

Und Voilá: Hier die Christophs sechs Antworten zu „Der Idiot“ im Schauspiel Köln.

Was ist dir von dem Abend in Erinnerung geblieben?

Wenn ich an das Stück zurück denke, denke ich zuerst an die tolle Hauptdarstellerin,(Lina Beckmann) die großartige Idee einen Schauspieler während der Pause weiterspielen zu lassen (Holger Bülow) und an ein recht unentspanntes Kuchenessen auf der Bühne. Außerdem erinnere ich mich noch gut an die schöne Willkommensbrezel und an mein bisher längstes Theaterstück.

Hatten deine letzten Gedanken vorm Einschlafen noch was mit der Inszenierung zu tun?

Da ich direkt nach der Vorstellung ins Bett gefallen bin, hab ich tatsächlich noch an den armen Fürsten im Stück gedacht.

Was würdest du der Regisseurin (Karin Henkel)) gerne sagen?

Hut ab junge Frau! Vielen Dank, dass es mir als Theaterneuling so leicht gemacht wurde knappe 4 Stunden still zu sitzen. Durch die kleine Zusammenfassung der Ereignisse zwischen den Szenen hab ich immer wieder den Faden gefunden.

Und dem*der Schauspieler*in, der*die dich am meisten interessiert hat raten?


Am meisten hat mich der Fürst interessiert. Ich würde ihr raten der Schauspielerei noch lange treu zu bleiben.

Anmerkungen zur Musik?


Ich fand es toll, dass viele der Schauspieler live auf der Bühne Klavier, Saxophon oder Geige gespielt haben! Teilweise habe ich erst nach einer Zeit gemerkt, dass die Musik gerade nicht aus dem Plattenspieler kommt und war echt beeindruckt.

Würdest du den Abend weiterempfehlen?


Ja, auch wenn man ordentlich Sitzfleisch mitbringen sollte, lohnt sich das Stück auch für nicht so theatererfahrene Leute. Dostojewski wird einem bei diesem Stück mit humorvollen Ideen und einer gut zu folgenden Story auf leichte Weise präsentiert. Einmal habe ich „Schuld und Sühne“ angefangen zu lesen und habe aufgegeben. Ich bin ein wenig Stolz nun ein komplettes Werk von ihm zu kennen.

 

 

 

 

One Comment

  1. […] im Theater und sind alle regelmäßig auf der Bühne zu bewundern — (Über Lina haben wir hier auch schonmal berichtet.) einzeln und gemeinsam. Unter dem wunderbaren Titel “Wenn du dich […]

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