Sekt und Brezel

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This article was written on 29 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Herr Nekes!!

IMG_9856Manchmal passiert es mir, dass ich Zusammenhänge erst recht spät bemerke und mich dann aber fast schon kindisch über meine „Entdeckung“ freue. So ist es mir auch mit Werner Nekes ergangen. Herr Nekes hat heute Geburtstag und ich möchte ihm auf diesem Weg alles Gute wünschen!!!
Werner Nekes, beheimatet in Mülheim an der Ruhr, ist ein wichtiger Experimentalfilmemacher, Filmtheoretiker, und immer wieder Gastdozent an verschiedenen Universitäten in der ganzen Welt. Seine Biographie, Filmographie und Bibliographie sind lang und schlichtweg beeindruckend.
In meine Welt ist Werner Nekes zunächst als Regisseur des grandiosen Filmes JOHNNY FLASH getreten. Im Winter 2010, nachts auf Arte, hatte ich das Glück den Film zufällig fast komplett gucken zu können. Erscheinungsjahr 1987, der junge Helge Schneider (damals 32 Jahre alt) in der Hauptrolle als der aufstrebende Schlagerstar Johnny Flash, Andreas Kunze in fast allen Nebenrollen als Mutter, Künstleragent, Herrenschneider, etc., gedreht an Mülheim an der Ruhr´s prominenten Orten und der noch jüngere Schlingensief (27 Jährchen alt) mischte als Assistent mit– ein Film mit Handlung, aber ohne Sinn. Immer wieder erzählte ich Menschen davon, dass sie diesen Film UNBEDINGT gucken müssen, kam aber selber auch nicht mehr dazu, weil es ihn tatsächlich nirgends gibt. Bzw. keine mir zugängliche Videothek hatte JOHNNY FLASH im Regal stehen, kein Stream streamte ihn, nicht mal die Mediathek an der Uni bietet ihn an. Und so vergaß ich auch ein bisschen über Werner Nekes.
Zwei Jahre später lernte ich durch die Theaterproduktion „And on“ von kainkollektiv den (Video-) Künstler Jan Ehlen kennen, der – aufgepasst – seit 2008 Assistent von Werner Nekes war. Jan vermischt in seiner Arbeitsweise (Bild-)Material zum Anfassen – z.B. filigrane Scherenschnitte, Steine, Blätter, Geleekügelchen – mit digitalen und somit flüchtigen Bildern und lässt auf den Wänden Schattenlandschaften, morphende Collagen, Geschichten entstehen. Zwar kann man ihm dabei live zugucken und genau beobachten, wie er das alles durch manuell beeinflusste Lichtprojektionen an Ort und Stelle fabriziert, doch statt dem Gefühl Jan entlarvt zu haben, wurde ich eher immer von seinen Licht-Schatten-Kompositionen in Bann gezogen. Somit hatte ich auch Werner Nekes wieder auf dem Schirm – und diesmal so richtig. Ich bestellte endlich JOHNNY FLASH über seine Homepage – denn anders ist er nicht zu kriegen. Und dann stöberte ich noch auf der Seite herum … und war geflasht. Zunächst haben mich seine Vorträge und Aufsätze – die man dort nachlesene kann – sehr interessiert. Nekes eröffnet ein Feld zwischen den einzelnen Bildern des Filmes und denkt darüber nach, was diese kleinste Einheit des Filmes – die „Sequenz“, die zwischen zwei Bildern entsteht, Nekes nennt sie „Kine“ – ist und wie sich der Blick dazu verhält.IMG_9714 Zusätzlich bietet seine Homepage ein  „Lexikon der optischen Medien, mit über 200 Fachbegriffen von A-Z“, ein wirklich spannendes und weitreichendes Wissen über eben die optischen Medien der letzten Jahrhunderte. Werner Nekes hat in seinem Schaffen, durch seine Filme und theoretischen Auseinandersetzungen, die Geschichte visueller Inszenierungs- und Illusionstechniken erforscht. Und gesammelt! In den letzten Jahrzehnten hat er dazu eine der wichtigsten Privatsammlungen zusammengesammelt!! Peter Weibel schreibt in der Begleitpublikation zu der Ausstellung „Die Wunderkammer des Sehens – Aus der Sammlung Werner Nekes“, 2003 in Graz:

…. Die Sammlung von Werner Nekes ist daher nicht einfach das Zeugnis einer Archäologie der optischen Medien, wie wir sie von Siegfried Zielinskil und Friedrich Kittler kennen, sondern sie zeigt vielmehr, wie im Laufe von Jahrhunderten, sogar Jahrtausenden, eine apparative Wahrnehmung entwickelt wurde, die bei der Entdeckung des apparativen Charakters der natürlichen Wahrnehmung begann und bei der Produktion von Sehmaschinen, z. B. dem filmischen Apparat, vorläufig endet. Es wäre ein Mißverständnis, Werner Nekes allein als Sammler von optischen Apparaten und Medien zu betrachten. Werner Nekes, der selbst als Filmkünstler an der Front der Forschung der materiellen und physiologischen Bedingungen der apparativen Wahrnehmung arbeitet, ist vielmehr ein Wissenschaftler, der uns den wechselseitigen Zusammenhang diverser Wissenschaften Materialwissenschaften, Ingenieurswissenschaften, optische Wissenschaften, Kognitionswissenschaften etc. – in der Geschichte und bei der Entwicklung der kinematographischen Kunst anschaulich vor Augen führt und gerade diesen hier kurz skizzierten Zusammenhang von apparativer Wahrnehmung und apparativer Kunst exemplarisch verdeutlicht.“ (Quelle: http://wernernekes.de/00_cms/cms/front_contenIMG_9858t.php?idart=455,29.04.2013)
Einen Teil dieser renommierten Sammlung Nekes´ kann man seit Januar im Pact Zollverein in Essen betrachten, besuchen, sich darin verlieren und hoffentlich inspiriert herausgehen. Ich werde mir sie auf jeden Fall nächstes Wochenende angucken und mich danach auf die Suche nach seinem Film „schwarzhuhnbraunhuhnschwarzhuhnweißhuhnrothuhnweiß oder put-putt“ machen. Allein schon wegen des Titels.

Herr Nekes, wir wünschen Ihnen alles Gute zu Ihrem Geburtstag, weitere spannende Jahre des Schaffens und vielleicht bis bald mal in der MüGa!

 

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