Sekt und Brezel

Information

This article was written on 21 Mai 2013, and is filled under Allgemein.

Die Festivalsaison ist eröffnet!

DSC_3035Sommerzeit ist Festivalzeit. Auf einmal sprießen aus allen Bereichen Festivals: Musikfestivals, Filmfestivals, Sportfestivals, Mittelalterfestivals, Kirchenfestivals, Kinder-und Jugendfestivals, bestimmt gibt’s auch Bastel- und Strickfestivals. Einige sind auch schon vorbei, viele fangen aber jetzt bald erst an! Jedes Festival hat sein besonderes Publikum, seine Lieblingszielgruppe und daher auch seine Berechtigung. Ich frag mich aber immer, wirklich jedes Jahr, warum die Veranstalter besonders von den großen Theaterfestivals sich nicht mal vorher kurz anrufen, oder an einem großen runden Tisch treffen und die Termine abgleichen!?
Hier gibt es nun einen kleinen Theaterfestivalkompass für die unmittelbar annahenden Festivals, der überhaupt keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern durch mein persönliches Interesse geleitet wurde. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr ja noch im Kommentar weitere Theaterfestivals ergänzen, oder uns eine Mail schreiben (sektundbrezel@gmail.com), wir ergänzen das dann.

30.Mai – 1.Juni in Düsseldorf: Made in Düsseldorf
Was gibt´s zu sehen?
Performances, Try-Outs, Konzerte und Installationen von mir noch unbekannten freien (Theater-) Gruppen… die geballte Freie Szene Düsseldorfs.
Was verspricht die Ankündigung? volles Programm mit „alten Theaterhasen, Newcomern, Stars und waschechten Düsseldorfer Uraufführungen, Experimentierfeld und Spielwiese, stündlich wechselndes Programm, individuelle Theaterparcours“ (2), jeden Abend geben Festivalbeobachter in der „Sprechstunde“ den Künstlern öffentliches Feedback, was fasziniert, irritiert, inspiriert hat.
Thumbs up für das wirklich reichhaltige Programm, für keine Kollision, für auch wirklich mal Newcomer ranlassen und für den innovativen Preis für den schaulustigsten Zuschauer des Festivals! Die ganze Aufmachung und Gestaltung macht Lust nach Düsseldorf zu fahren, mich haben sie geködert.
Wehmutstropfen? Jede Inszenierung wird nur einmal gezeigt. schade.

6. -9. Juni in Dortmund: CYBERLEIBER – Letzte Dramen zwischen Mensch und Maschine
was gibt´s zu sehen?  Verschiedene Disziplinen die sich der Auseinandersetzungen von Mensch und Maschine widmen, mit dem Versuch auszuloten was da eigentlich zur Zeit passiert in dieser so oft benannten Digitalisierung. In den vier Tagen kann mensch hauseigenes Theater gucken, dem Dortmunder Chaostreff beim Hantieren im Hackerspace über die Schulter luken, Installationen bewundern, Vorträge versuchen zu verstehen und mitzudiskutieren, Audiocollagen horchen, oder einfach nur auf dem grünen Rollrasen, der den Vorplatz des Theaters zieren wird, kühles Bier trinken und der Musik lauschen.
was verspricht die Ankündigung? 4 Sommertage Theater, Diskurs und Party.
Thumbs up für den engagierten Einsatz diese Fragestellung möglichst weit aufzufächern, dass viele Menschen mit verschiedenen Interessen etwas auf dem Festival finden und somit den Weg ins Theater!
Wehmutstropfen? ein, zwei Stücke haben dann doch nicht ganz wirklich den Mensch-Maschinen-Diskurs zum Thema…

12. – 16. Juni in Bochum: Zeitzeug_ Festival
was gibt´s zu sehen? Studentische Arbeiten aus ganz Deutschland – oder sogar international?! – , die nach einem Open Call von dem Zeitzeug_ Team ausgewählt worden sind, zu dem Oberthema MEGAMORPHOSEN. Gesucht waren Performances, Installationen, Interventionen, Grafik/Malerei, wissenschaftliche Vorträge, Medienkunst, Musik, nicht genfrefizierbares. Mit dabei ist auch Anna Kpok!
was verspricht die Ankündigung? Zeitzeug_ will eine Plattform für Künstler*innen und Kulturschaffende unterschiedlicher Sparten sein. Zu sehen sein werden junge Akteur*innen, die an der Schwelle zur Professionalität stehen, „denen das Zeitzeug_ Festival für ihre künstlerischen, performativen und wissenschaftlichen Projekte einen Rahmen geben will.“ (3) Vernetzung.
Thumbs up für das gewaltige Engagement von Studierenden, für die Spielorte, die in der Stadt verteilt sind, für das aufwendige Vor- und Aufbereitungsprogramm (Parties im Vorfeld, Blog während des Festivals), für die professionelle Organisation, für für finanzielle Mittel sorgen und trotzdem auf dem studentischen Boden der Tatsachen bleiben (Anfahrtskosten werden erstattet, die Künstler*innen schlafen bei anderen Studierenden for free)
Wehmutstropfen? wer sucht, findet… die Homepage ist schön, aber es fehlen noch viele genaue Infos.

26. – 30. Juni in Bielefeld: NRW Theatertreffen
Was gibt’s zu sehen? die neun „besten“ Stadttheaterinszenierungen der letzten Spielzeit im Wettbewerb + zehn weitere Inszenierungen im Rahmenprogramm
Was verspricht die Ankündigung? möglichst große Bandbreite von Tendenzen gegenwärtiger Theaterarbeit, Suche nach theatraler Grenzerweiterung, zum ersten Mal steht auch der Tanz im Fokus, auch die freie Szene miteinschließen, Diskussionsveranstaltungen veranschaulichen Praxis und Perspektiven.
Thumbs up für die Öffnung zum Tanz hin, für die Einbindung des Kinder- und Jugendtheaters, für den Mut das alles in Bielefeld zu machen und für die mutige Farbe der Homepage…
Wehmutstropfen? Wettbewerb, Jury, Preisverleihung, muss das sein?… und was es zu gewinnen gibt, wird nicht verraten…moneymoneymoney?! oder einfach nur was zum Hinstellen, was Symbolisches?! Kollidiert mit den Impulsen und Theaterformen.

27. Juni – 6. Juli in Bochum, Düsseldorf, Köln, Mülheim an der Ruhr: Impulse Theater Biennale
Was gibt´s zu sehen? die herausragenden Produktionen des letzten Jahres aus der deutschsprachigen freien Szene, die sich beim Open Call beworben haben und vom Impulse-Beirat gewählt worden sind.
Was verspricht die Ankündigung? ganz schön viel und das in sehr langen Abhandlungen… zB.: „Impulse Theater Biennale 2013 diskutiert ganz konkret am Beispiel Deutschlands, Österreichs und der Schweiz die Einflüsse, die aus allen Richtungen kommend das prägen, was später als authentisches Heimatgefühl wahrgenommen wird. Verbindungen und Verbindlichkeiten, Narrationen und Nationen, Diaspora und Landnahme – welche Bedeutungen haben diese Konzepte heute? Welche Einflüsse sorgen für das typisch deutsche (österreichische, Schweizer) Gefühl, allgemeiner für das Gefühl einer kulturellen Identität, Zugehörigkeit, Verwurzelung? Impulse Theater Biennale 2013 stellt die deutsche Frage noch einmal neu – und damit die Frage nach der eigenen territorialen Auswahllogik und Begrenzung. Und zeigt, selbst beeinflusst, Theater, Tanz, Kunst, Theorie under the influence. An zehn Tagen, in vier Städten, in verschiedenen Sprachen und Ästhetiken.“(1) so. es geht um Arbeiten, die sich an dem Deutschgefühl abarbeiten, also an der Frage der mitt-40er Generation.
Thumbs up für den diesjährigen Open Call, also einer signalisierten Bereitschaft „von bekannten Pfaden abzuweichen“ und für die vielen Vorträge und Diskussionsmöglichkeiten dieses Jahr.
Wehmutstropfen? Ausruhen auf Kassenschlagern. (Es werden wirklich oft die gleichen (Gießener) Gruppen rangelassen…warum zeigt ihr zB. Schubladen von SheSheShePop? Ja, sie sind toll, aber es gab schon Aufführungen im FFT, die sehr gut besucht waren und SheSheShePop „braucht“ die Impulse nun wirklich nicht mehr.) Und der Umzug in den Sommer. Ich fand euch super im Herbst, so habt ihr mehr Konkurrenz. Kollidiert mit Theaterformen und der Fusion…

19. – 30. Juni in Hannover: Theaterformen
Ich muss vorweg nehmen, dass dieses Festival eigentlich nicht auf meinem Pott-Radar gewesen wäre, wenn nicht unser guter Freund Klaas zur Zeit für Theaterformen arbeiten würde. Wenn ihr Studierende in NRW seid, ist ein Trip nach Hannover überhaupt nicht teuer. Bis Minden mit der Regio umsonst fahren und dann noch für 5€ oder so mit der S-Bahn zum Hannoveraner Hauptbahnhof fahren. Ist machbar!
Was gibt´s zu sehen? Einen bunten Strauß der darstellenden Kunst: Tschechows Iwanow in einer iranischen Inszenierung,  Hörausstellung über den Kongo, Audiostreifzug durch Hannover, stummes Musical aus Südarfika, belgisches Tanztheater über das-Im-Krieg-Sein, großes Kino aus Argentinien ohne bewegte Bilder auf der Bühne, eine schweizerische performative Zeitreise in der Innenstadt, und vieles (!!!) mehr.
Was verspricht die Ankündigung?
Theaterformen soll wörtlich genommen werden und die Vielfalt des Theaters präsentiert werden: „großes Spektakel oder intimes Kammerspiel, Dramenklassiker oder Dokumentartheater, Monodramen oder Multimedia-Installationen – oder aber Formen und Formate, für die die Namen erst noch erfunden werden mussten.“
Thumbs up 
für die Länge des Festivals, 11 Tage sind lang und erfordern ein ausgeschlafenes Team, für eine Mischung aus schon bekannten und erfolgreichen Theatergruppen und noch nicht so bekannten, für das Interdisziplinäre, für das Internationale. für die schöne Homepage.
Wehmutstropfen?
Kollision, Kollision… mit Impulsen und mit dem NRW Theatertreffen.

Meine nächsten Wochenenden scheinen wieder gefüllt zu sein. Gut, dass ich mir die Verschnaufpause gegönnt habe.

Emese

Textnachweise (1) : http://www.festivalimpulse.de/de/impulse/18/thema, Zugriff 20.05.2013 / (2): http://www.forum-freies-theater.de/05/madeindusseldorf.html, Zugriff 20.05.2013 / (3): http://zeitzeug.net/uber-uns/manifest/, Zugriff 20.05.2013

 

3 Comments

  1. […] Hier haben wir euch schon über das Festival Impulse informiert. Nun gibt es einen Programmpunkt bei der diesjährigen Theater Biennale, der begeisterte Sänger*innen benötigt: Bernadette LaHengst setzt sich als „bedingungslose Chorleiterin“ mit dem bedingungslosen Grundeinkommen auseinander. In Berlin hatte dieses Projekt schon in den Sophiensaelen Premiere, soll aber bei den Impulsen mit nicht nur wiederaufgenommen, sondern im Prinz-Regent-Theater neu erarbeitet werden. Für alle die Lust dazu haben gibt es hier mehr Infos und die Termine. […]

  2. […] dass sich die Spielzeit dem Ende neigt. Es gibt zwar Festivals im Überfluss (Emese hat euch hier einen Guide zusammengestellt), aber die Nachrichtendichte wird merklich dünner. Sowieso müssen […]

  3. […] und vergesst nicht, die IMPULSE sind ja auch noch. Darüber haben wir schon hier berichtet. Da bin ich aber noch sehr ratlos was ich wann gucken […]

Schreibe einen Kommentar

Du musst diese Aufgabe lösen um einen Kommentar abgeben zu können: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.