Sekt und Brezel

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This article was written on 24 Jun 2013, and is filled under Allgemein.

Die neue Woche bringt ein neues Probentagebuch.

Obwohl die Sommerpause vor der Tür steht, wird trotzdem fleißig geprobt. Genauer gesagt: Vor-geprobt. Denn nach den Ferien will die theaterlustige Meute ja möglichst schnell wieder mit neuen Premieren eingedeckt werden. Um das zu gewährleisten, muss jetzt schon dafür gearbeitet werden. Im Schauspiel Dortmund bedeutet das konkret, dass jetzt grade an drei Produktionen gewerkelt wird, die kurz nach Ferienende rauskommen sollen. „Das goldene Zeitalter“, „Peer Gynt“ und „Männerhort“. Bei letzterem bin ich ab sofort als Souffleuse dabei und werde euch über meine Erfahrungen in einem Probentagebuch berichten. Wie das genau aussehen wird, kann ich noch nicht sagen, weil ich noch nicht weiß, wie sehr mich die Proben in Anspruch nehmen werden. Vielleicht beglücke ich euch mit ausführlichen Berichten, vielleicht gibt es auch nur Impressionen in Gestalt von einzelnen Sätzen aus dem Stück, einem Gedanken des Tages, passender Musik oder ähnlichem.

Überhaupt bin ich gespannt, wie mir die Gratwanderung gelingen wird, einerseits euch einen Einblick zu verschaffen und andererseits nicht zu viel zu verraten, ihr sollt euch das ja alle noch anschauen!,  bzw ohne die sensiblen Vorgänge, die einer Theaterproduktion eigen sind und auf der Probebühne verbleiben sollten, auszuplaudern.

Leider kann ich diese Produktion nicht bis zur Premiere begleiten, weil ich nach den Ferien bzw bei der Premiere noch in Elternzeit bin. Mal schauen, vielleicht entwickel ich noch eine hübsche Idee, wie ich den „Männerhort“ bis zum Schluss für euch  dokumentieren (lassen) kann.

Bevor es Morgen richtig losgeht mit der Proberei und ich euch noch genauer erzähle, um was für ein Stück es sich beim „Männerhort“ handelt, wer mitmacht und woher ihr die vielleicht schon kennt, erzähle ich euch heute, was ich da überhaupt auf der Probebühne Vier im Dortmunder Schauspiel in nächster Zeit so machen werde.

IMG_9978Wie gesagt, ich bin als Souffleuse engagiert. Aber was macht eine Souffleuse überhaupt? Hockt die nicht nur bei den Vorstellungen in dieser kleinen Muschel auf der Bühne? Was hat eine Souffleuse denn bei Proben zu suchen? Nun, die kleine Muschel ist zum Glück längst Geschichte. Wenn eine Souffleuse in der Vorstellung sitzt, sitzt sie in der Regel mit ihrem Textbuch in der ersten Reihe in der Mitte und hat von dort einen einigermaßen guten Überblick über das Bühnengeschehen und kann aushelfen, wenn jemand nicht mehr weiß, wie es textlich weitergeht. Das kommt allerdings höchst selten vor. Meistens helfen sich die Schauspieler*innen selber, z.B. in dem sie einfach etwas überspringen oder etwas sagen, dass sinngemäß hinkommt, aber nicht die eigentlichen Worte nutzt. Manchmal kann auch ein*e Kollege*in ein Stichwort geben. Diese Vorgänge bleiben vom Publikum unbemerkt, höchstens die Leute, die rechts und links von der Souffleuse sitzen können ab und zu ein etwas hektisches Blättern im Textbuch wahrnehmen. Selbst wenn die Souffleuse doch mal einschreiten muss, bemerken das die Zuschauer*innen ab der siebten Reihe nicht mehr, denn die Texthilfestellung wird schließlich nicht geschrien, sondern so dezent wie möglich auf die Bühne geschickt.

Beinahe unverzichtbar sind Souffleusen hingegen auf Proben. Denn, Hand aufs Herz, die wenigsten Schauspieler*innen kommen mit perfekt gelerntem Text auf die ersten Proben, sondern haben ihn nur „angelernt“. Das ist nicht ganz ungeschickt, denn hier und da wird immer noch mal was gestrichen oder umgestellt. Die Souffleuse ist also entscheidend mitverantwortlich, dass ein reibungsloser Ablauf der Proben gewährleistet ist, weil sie die Schauspieler*innen darin unterstützt, sich auf die (Er-)Findung der Vorgänge konzentrieren zu können, wenn noch nicht jedes Wort am richtigen Platz sitzt. Gegen Ende der Produktionszeit werden Souffleusen dann zur Textpolizei und haben die (mitteldankbare) Aufgabe die Schauspieler*innen auf Textfehler (Sprünge, Satzdreher etc) hinzuweisen, immer wieder zum Text bimsen zur Verfügung zu stehen und vor allem stets die brandaktuellste Textfassung parat zu haben. Denn oft kommen die Schauspieler*innen nicht dazu, sich im Eifer des Probengefechts Änderungen direkt zu notieren. Das ist die Aufgabe der Souffleuse und deshalb sind Bleistift und Radiergummi ihre besten Freunde. Direkt danach kommen Fingerspitzengefühl und ein dickes Fell. Denn: Es gibt einen Punkt an dem sich die Schauspieler*innen darüber ärgern können, wenn der Text noch nicht so sitzt, wie sie es gerne hätten. Da kriegt die Souffleuse dann schon mal einen drüber, weil sie das Pech hat, diejenige zu sein, die die Schauspieler*innen auf eventuelle Textschwächen hinweisen zu müssen. Manchmal gibt es auch die Situation, das es zwar so aussieht, als wäre Texthilfe angebracht, aber in Wahrheit jemand grade z.B. unbehagliches Schweigen bewusst spielt. Wenn die Souffleuse in solche Momente rein funkt, freut sich natürlich auch niemand. Aber mit ein bisschen Erfahrung ist das ganz gut zu unterscheiden, vor allem, wenn schon öfter mit den gleichen Leuten gearbeitet wurde. Ich mache diese Arbeit gerne, denn dank ihr lässt sich unheimlich viel über unterschiedliche Zugänge zu Texten und Schauspieltechniken lernen.

Interessiert euch noch etwas daran? Habt ihr Fragen? Darüber würde ich mich freuen. Immer raus damit!

Eine schöne Woche euch allen. Lisa

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