Sekt und Brezel

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This article was written on 18 Jun 2013, and is filled under Allgemein.

Emese fragt Lisa was zu… „Lisa.“

Letzte Woche Donnerstag habe ich mich mal wieder in eine Premiere gewagt. „Lisa“ hieß der Abend. (Schon komisch wenn der eigene Name so oft fällt. Und noch komischer, wenn er einer Massenmörderin zugeordnet wird… ) Ein Soloabend. 9 0 Minuten ein einziger Schauspieler. Sowas ist sowohl für den Schauspielenden als auch für die Zuschauenden ein Risiko: Der Mensch auf der Bühne ist allein. Wenn der Text mal wegrutscht oder Abläufe durcheinander geraten gibt es niemanden, um auszuhelfen. Die unendlich lange Einlasszeit muss alleine durchgestanden werden und überhaupt gibt es das bestimmt unangenehme Gefühl, für alles allein verantwortlich zu sein. Im Gegenzug muss das Publikum noch fester als sonst die Daumen dafür drücken, dass der Abend gefällt. Denn nicht von Herzen applaudieren zu können, wenn nur ein einzelner, einsamer Darstellender hinter dem Vorhang rauskriecht, ist äußerst unangenehm. Nun, ich machte mich also mit gemischten Gefühlen  auf auf ins Dortmunder Schauspiel. Aber ein Glück: Das Applaudieren viel mir nicht schwer! Um der klassischen Kritikschreiberei mal wieder bewusst zu entgehen, hat Emese sich erneut ein paar Fragen für mich ausgedacht, die ich euch nun mit den passenden Antworten von mir kredenze.

Lisa Foto 1 c Julia BörchersWarum wolltest du den Abend gucken?

Nun, den Text, oft ein Grund einen Abend zu sehen, kannte ich gar nicht. Die kleine Inhaltsangabe in der Ankündigung hat mich auch nicht grade vom Hocker gehauen. Ich zitiere aus der Pressemitteilung: „In „Lisa“ geht es um einen jungen Mann, Ben, der auf der Flucht vor der grausamen Killerin Lisa ist. Spuren ihrer Verbrechen ziehen sich durch halb Europa. Und eben auch durch Bens Leben – die Spurensicherung hat ihre DNS in seinem Wohnzimmer gefunden, seinen Freund hat sie zuletzt auch getötet. Was tun? Von Angst gepeinigt, flüchtet er sich in den Wald – und führt ein Videotagebuch, das den Zuschauern Einblicke in Bens Welt gewährt.“ Mann in der Wildnis gehört eigentlich nicht zu meinen bevorzugten Themen, die ich auf der Bühne sehen möchte…

Ehrlich gesagt, war der hauptsächliche Grund, dass ich den Schauspieler Randolph Herbst und den Regisseur Jonas Fischer privat gut kenne und die beiden unterstützen wollte. Außerdem war ich natürlich neugierig, was die beiden da wieder zusammen fabriziert haben, „Lisa“ ist nämlich nicht ihre erste Zusammenarbeit und ist darüber hinaus nicht ganz ohne Steine im Weg ausgekommen.

Was dachtest du erwartet dich? Hattest du schon vorher Bilder im Kopf?

Sehr schwierige Frage. Aber ja, ich glaube, ich hatte ein paar Bilder im Kopf, die sich dann auch bestätigt haben. In der Ankündigung war ja von einem Videotagebuch zu lesen, also war klar, dass es Projektionen geben wird. Vor denen fürchte ich mich immer etwas, weil so viel technisch schiefgehen kann. Aber es hat alles reibungslos funktioniert, zumindest habe ich keine Fehler bemerkt. Außerdem habe ich mit viel Musik gerechnet, über die habe ich mich in anderen Inszenierungen von Jonas immer gefreut: Eine Mischung aus Popkultur und Experiment. So war es auch diesmal, auch wenn die Popkultur etwas härter zugeschlagen hat als sonst: Als sich die Figur Ben sich an seine Exfreundin Katha erinnert, die er in seinem Wahn verloren hat, beginnt  er, Céline Dion zu schmettern. Laut. All by himself. Also myself. Das war ein schöner Moment, denn ich konnte einem Schauspieler beim Genießen aus tiefster Seele zusehen. Was sich nicht bestätigt hat, war die Spielweise, die ich angenommen hatte zu sehen. Ich hatte mit viel mehr Cowboy Attitüde gerechnet bzw insgesamt mit mehr etwas zu produzierten Haltungen. Zum Glück hat sich das nicht eingelöst: Randolph hat über die komplette Zeit einen wunderbaren direkten Ton beibehalten, da musste gar nichts gestemmt werden.

Gab es Momente mit denen du garnicht gerechnet hast? Also einen Überraschungsmoment?

Eigentlich nicht. Die inhaltlichen Wendungen (z.B. neue Informationen über „Lisa“) waren so oder so ähnlich zu erwarten. Als plötzlich die tanzenden Theaterpartisanen den Raum stürmten war ich auch nicht wirklich überrascht, es war zu dem Zeitpunkt einfach klar, dass der Abend noch eine Umdrehung braucht und das die Regie sie dem Publikum geben wird. Es hat gut funktioniert, die Spannung und Stimmung im Studio über 90 Minuten oben und das Interesse wach zu halten, aber große Ausschläge gab es nicht. Weder nach oben noch nach unten.

Würdest du den Abend mit mir nochmal gucken?

Ich würde dir empfehlen, ihn auf der Fusion zu sehen, das wäre sicher schön.

Was mochtest du am liebsten?

Zu sehen, dass ein Regisseur ein exzellentes Gespür für eine Besetzung bewiesen hat und wie gut einem Schauspieler ein Text liegen kann. Und als alles schon vorbei war: Die Erleichterung und Freude in Randolphs Gesicht beim Applaus, die hat mich richtig gerührt.

 Worüber würdest du mit dem Regisseur gerne ausgiebig diskutieren?

Über die vierte Wand. Sehr ausgiebig bitte! Denn in ihr liegt mein großer Wehmutstropfen an diesem Abend: Ich wurde nicht abgeholt. Das lag aber nicht an der Spielweise, die es trotzdem geschafft hat mich einzufangen, (was ich bemerkenswert finde!), sondern am Regiekonzept. Die vierte Wand war nicht nur da, sie war einzementiert!! Grade bei Soloabenden finde ich es merkwürdig 90 Minuten lang so zu tun, als wäre ich nicht da. Zu Mal es inhaltlich Sinn gemacht hätte, die Situation zu öffnen: Die Figur Ben ist (vermutlich?!) paranoid, sieht Dinge, die nicht da sind. Oder sind sie vielleicht doch da? Konzeptionell liegen darin viele Möglichkeiten, die das Publikum einbinden, erschrecken verwirren könnten. Und um diese Möglichkeiten ist es Schade! Also Jonas, wenn du Lust hast, bei Bier und Maracujaschorle, ich würde mich freuen!

 

Und wenn ihr „Lisa“ noch sehen wollt, könnt ihr das auf dem Fusionfestival, in Berlin und in Hamburg. Die Termine  und Orte findet ihr hier.

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