Sekt und Brezel

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This article was written on 18 Mrz 2013, and is filled under Allgemein.

Von kleinen Saiten und kleinen Regeln

ukulele5Auf meinem Ticket am Freitag für das „Ukulele Orchestra of Great Britain“ im Dortmunder Konzerthaus stand „2. Balkon links“ – was soviel heißt wie „nicht nur weit weg von der Bühne, sondern auch mit Nackenstarre Gefahr“. Die Balkone sind nämlich nicht angeschrägt, so dass kein direkter Blick auf das Geschehen auf der Bühne möglich ist. Keine besonders clevere Bauweise. Vielleicht aber architektonisch der Hit? Oder aus Brandschutzgründen unumgänglich? Na ja, es war nicht so schlimm, denn es ging ja vor allem ums hören und nicht so sehr ums sehen. Und zu hören gab es wirklich außergewöhnliches:

Die 7 Musiker*innen des „Ukulele Orchestra of Great Britain“ arbeiten ausschließlich mit den klitzekleinen Saiteninstrumenten. Keine Percussions, keine Banjos, keine Einspieler. Trotzdem entwickelte sich eine enorme Klangvielfalt und das Repertoire reichte von „Smells like Teen Spirit“ bis hin zu Georg Friedrich Händel. Das Publikum war begeistert und beim Schlussapplaus stand der ganze Saal. Wer mehr Infos möchte, klicke hier. Und wer Lust hat auf einen einfach netten Abend, sollte sich die Tourdaten der Ukulele Virtuos*innen genauer anschauen. (Nett ist in diesem Fall nicht die kleine Schwester von Scheiße, sondern der große Bruder von angenehmer und fröhlicher Unterhaltung.)

Hatte ich auch keine perfekte Sicht auf die Bühne, konnte ich dafür umso besser das Publikum im Parkett beobachten. Mir passiert es oft, dass ich fast mehr die anderen Zuschauer*innen im Blick habe, als das wofür ich eigentlich Eintritt bezahlt habe – besonders wenn ich an der gezeigten Produktion beteiligt bin, aber eben auch bei Veranstaltungen wie dieser am Freitag, bei der ich nur als Konsumentin und oder Rezipientin anwesend bin.

Mich interessiert, wie die Leute die Vorstellung auf- und wahrnehmen und versuche die Stimmung im Zuschauerraum zu deuten. Kein Räusperer, kein Geraschel, kein Gehuste während einer ernsten Aufführung? Ein gutes Zeichen. Kein Gewippe, Geschnipse, Geklatsche während einer Vorstellung mit Musik? Sehr sehr ungut.

Oft liege ich mit meiner Deutung daneben. So auch am Freitag. Die wippenden Füße und Köpfe, die ich vom Balkon aus im Parkett ausmachen konnte, ließen sich an einer Hand abzählen. Ich war schon dabei mich zu ärgern, weil ich dachte: „Die kapieren das nicht! Die hören nicht richtig zu! Die verstehen keinen Spaß!“ Als dann der Applaus aber aufbrandete merkte ich, dass ich mich zu früh meinem Unmut hingeben habe und die Leute sehr wohl zu schätzen wussten, was ihnen geboten wurde.

Unmut ist das Stichwort. So oft bin ich genervt, weil die Leute um mich rum mir den Spaß verderben, weil sie sich nicht so verhalten, wie, na ja, wie ich das eben für angemessen halte. Wer weiß, vielleicht waren die Leute neben mir am Freitag genervt, weil ich mich zur Zugabe nicht mehr hingesetzt habe,  sondern ein bisschen auf meinem Platz getanzt habe?

So oder so gibt es meiner Meinung nach ein paar Regelchen, die allen den Theater- oder Konzertbesuch erleichtern würden, wenn sich alle daran halten würden.

  1. WARTEN BIS ES LAUT WIRD! Bonbons gegen Halskratzen rauszuholen ist erlaubt. Aber warum machen das immer alle dann, wenn grade Ruhe eingekehrt ist, der*die Schauspieler*in eine Atempause macht?
  2. APPLAUS ABWARTEN! Wenn es ein*e Zuschauer*in es bis zum Ende der Vorstellung ausgehalten hat, ist es durchaus möglich, den Applaus bis zum Ende abzuwarten. Die Garderobe läuft nicht weg, das Auto auf dem Parkplatz auch nicht. Auch wenn die Vorstellung nicht gut war, der Applaus ist jetzt auch noch zu schaffen.
  3. NICHT IN STILLE ANFÄNGE REINBLÖKEN! Es gibt Inszenierungen, die beginnen mit Schweigen. Es ist sehr unhöflich Dinge zu rufen wie: „Also wir wären dann soweit!“ (Habe ich genauso erlebt!)
  4. KEINE TEXTE MITSPRECHEN! Es ist deine Lieblingsinszenierung, du hast sie schon fünfmal gesehen und kannst sie mitsprechen? Halt die Klappe.
  5. KEINE BABIES! Ganz ehrlich: Babies haben in einem Zuschauerraum nichts verloren. So. Jetzt ist es raus.
  6. SOUFFLEUSEN IN RUHE LASSEN! Ich arbeite nebenbei als Souffleuse und weiß: Aufführungszeit ist für Souffleusen Arbeits- und Konzentrationszeit. Einfach nicht ansprechen sobald der Vorhang oben ist.
  7. MEIN STUHL IST MEIN STUHL! Armlehnen sind zum teilen da, aber gegen den Vorderstuhl treten, gehört sich nicht.

Ergänzungen???

Einen guten Start in eine schöne Woche euch allen!

One Comment

  1. […] einmal habe ich hier darüber geschrieben, dass ich liebend gerne ein Publikum beobachte, das seinerseits das Geschehen […]

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