Sekt und Brezel

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This article was written on 05 Mrz 2013, and is filled under Allgemein.

Pussy Riot freigesprochen.

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Zumindest in der Inszenierung „Die Moskauer Prozesse“ von Milo Rau.

Der Regisseur leitet seit 2008 das „International Institute of Political Murder“ , kurz IIPM. Er und sein Team beschäftigen sich (ganz ganz kurz gesagt!!) mit extrem brisanten politischen Konflikten ( wie dem Völkermord  in Ruanda) und wagen sich daran, diese für die Bühne aufzuarbeiten. Wenn ihr mehr wissen wollt, findet ihr auf der Homepage viele Infos über die letzten Arbeiten des IIPM, die für Aufsehen gesorgt haben!

Vom 1. bis 3. März zeigte Milo Rau im Sacharow-Zentrum in Moskau die Gerichtsshow „Die Moskauer Prozesse“, die sich mit der Aufarbeitung von drei Gerichtsprozessen gegen russische Künstler*innen beschäftigt. Den meisten fällt nun natürlich der Prozess um die drei Mitglieder der Band Pussy Riot ein, dem sich Rau in seiner Inszenierung ebenfalls angenommen hat. Unter Anderem in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar  und dem Kunstenfetivaldesarts Brüssell, stellte er die Prozesse so genau wie möglich nach – ohne Schauspieler*nnen, sondern mit „echten“ Beteiligten, z.B. mit der Pussy Riot Aktivistin Jekaterina Stanislawowna Samuzewitsch, die inzwischen auf Bewährung freigelassen wurde.

Am Ende des dreitägigen „Schauprozesses“ fällte ein durch Zufall zusammengestelltes Schöffengericht aus 7 Moskauer*innen ein Urteil. Pussy Riot wurde freigesprochen.

Am Sonntag, den 3. März, wurde die Aufführung von „Die Moskauer Prozesse“ jedoch von den russischen Behörden unterbrochen! Rau habe angeblich kein gültiges Arbeitsvisum lautete die Begründung. Der Tagesspiegel berichtet  hier und hier  genauer.

Die Brisanz um den Pussy Riot Prozess ist ungebrochen – auch wenn die drei Aktivistinnen inzwischen von den Titelseiten verschwunden sind. Für mich war die Meldung über die Störung der Aufführung Grund, mich noch einmal mit dem Prozess zu befassen. Vielleicht für euch auch? Hier ein paar Links als Anregung:

Hier findet ihr Auszüge aus den Schlussplädoyers der Angeklagten Nadeschda Andrejewna Tolokonnikowa, Jekaterina Stanislawowna Samuzewitsch und Marija Wladimirowna Aljochina.

Der Prozess fand international extrem viel Aufmerksamkeit. Kein Wunder, sah er doch in der angeblich so lupenreinen Demokratie Russlands wie eine Farce aus. Oder nach einer Möglichkeit ein Exempel zu statuieren. Politiker*innen, Künstler*innen und Autor*innen kommentierten und kritisierten den Prozess, beispielsweise der Philosoph Slavoj Zizek. Und hier gibt es noch einen Artikel, der sich mit der Unterdrückung der Jugendkultur in Russland befasst.

Wer noch etwas von „Die Moskauer Prozesse“ sehen möchte hat dazu tatsächlich die Gelegenheit ohne nach Moskau reisen zu müssen, sondern nur nach Zürich, Brüssel oder Bern. Hier findet ihr die Termine.

Dieser Beitrag war seltsam schwer zu schreiben. Denn Worte  wie „Inszenierung“ und „Schauprozess“ sind in diesem Fall extrem doppeldeutig. Das Wahre und das Fiktive ist sowieso selten bis nie zu unterscheiden bzw. sind keine Kategorien, mit denen es sich gut nachdenken lässt. Im Theater sind sie aber entscheidend. Angeblich. Aber das ist einen eigenen Beitrag wert. Oder ein ganzes Symposium. Aber nicht mehr heute.

2 Comments

  1. […] meinem Beitrag zu „Die Moskauer Prozesse” von Milo Rau bin ich über die Begriffe „Realität“ und „Inszenierung“ gestolpert: […]

  2. […] Kaffee entdeckte ich heute in der FAZ, das Milo Rau wieder prozessiert hat. Wir haben euch hier schonmal von ihm und seinem Institute of Politcal Murder erzählt. Dieses Mal hat er sich am […]

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