Sekt und Brezel

Information

This article was written on 26 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Ein Wunschzettel

IMG_9853Angenommen, ich hätte die Pflicht alles im Theater zu gucken, was mich interessiert: Mein Leben wäre ein einziger Stressfaktor. Ich bräuchte dann phasenweise einen Privatjet, ein Kartenvorkaufsrecht an sämtlichen Theatern und an jedem Ort einen Menschen, der nach der Vorstellung ein hektisches Getränk mit mir trinkt, um wenigstens die wichtigsten Eindrücke zu teilen, bevor ich weiterziehen muss. Keine verlockende Vorstellung. Trotzdem finde ich es oft Schade, was mir alles entgeht.

Mir macht es aber inzwischen richtig viel Spaß einfach so in Theaterprogrammen zu stöbern, und mir auszuschneiden, was ich gerne sehen würde, selbst wenn ich weiß, dass ich es höchstwahrscheinlich nicht schaffen werde, hinzufahren. Heute Vormittag habe ich mir diesen Spaß mal wieder gegönnt. Mit einem Bein im Wochenende habe ich mich diversen Veranstaltungskalendern gewidmet und mich gefreut, was ich in den nächsten Wochen alles sehen könnte, wenn ich eben könnte. Vielleicht ist aber eine Anregung für jemanden von euch dabei.

1. Badisches Staatstheater Karlsruhe. Männerphantasien. Patrick Wengenroth nach Klaus Theweleit.

In theaterwissenschaftlichen Seminaren habe ich mir manchmal gewünscht, dass wir alle unsere Reader und Textmarker einpacken und gemeinsam anfangen praktisch zu arbeiten – Theater machen und nicht nur drüber diskutieren. Andererseits bin ich regelmäßig verwundert über die Theoriefeindlichkeit, die mir häufig im Theaterbetrieb entgegen schlägt und wünsche mir manchmal, dass wir uns alle an einem richtig harten philosophischen Text die Zähne ausbeissen um in der praktischen Arbeit wieder einen gedanklichen Schritt weiter gehen zu können. Ich kenne zwar viele Künstler*innen, die beides miteinander verbinden, aber für meinen Geschmack dürften es gerne noch mehr sein.

Deshalb freue ich mich, dass es im Badischen Staatstheater die Reihe „Philosophisches Theater“ gibt. 2011 wurde dort der Klopper „Du musst dein Leben ändern“ von Peter Sloterdijk auf die Bühne gebracht. Vorgestern hatten die „Männerphantasien“ Premiere. Das 1174 Seiten umfassende Mammutwerk ist die 1977 publizierte literaturwissenschaftliche Dissertation von Klaus Theweleit.  Für alle, denen das gar nichts sagt: Höchst relevant. Höchst kompliziert. Garantiert keine Gute Nacht Lektüre. Ich bin alles andere als eine Theweleit Expertin, habe aber eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit es kosten würde, eine zu sein. Ich hoffe sehr, dass Patrick Wengenroth sich diese gemacht hat, ziehe aber auf jeden Fall den Hut vor dem Versuch und würde mir das Ergebnis liebend gerne ansehen. Ihr auch? Hier geklickt!

2. Ruhrfestspiele Recklinghausen in Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin.    Hedda Gabler. Henrik Ibsen.

Ich habe kein Mitleid mit Hamlet. Ich war nie in Romeo oder Ferdinand verliebt. Ich finde nicht, dass Antigone eine  starke Persönlichkeit hat. Denn mein Zugriff auf Theaterstücke funktioniert nicht über die Liebe zu den Figuren. Außer bei „Hedda Gabler“. Das ist mein liebstes Lieblingstück von Ibsen und überhaupt von allen. Hedda ist die einzige Figur, von der ich  sagen kann, dass ich sie gern habe. Und mich auch in einem theaterwissenschaftlichen Seminar nicht dafür schämen würde. So. Jetzt ist es raus. Gut begründen kann ich meine auf den ersten Blick Hedda-Liebe allerdings nicht, zumal die Gute eigentlich gar nicht so liebenswert ist. Aber egal, denn wo die Liebe hinfällt… Aufgeführt gesehen habe ich das Stück noch nie. In Recklinghausen hätte ich ab dem 3. Mai theoretisch die Möglichkeit. Vielleicht mache ich das auch doch, denn Recklinghausen ist nicht weit und die Besetzung ist das, was als hochkarätig zu bezeichnen ist. Falls ihr auch Schwierigkeiten habt es zu schaffen: Kauft euch das Reclam Heft, lest das Stück und verliebt euch!

3. Münchener Lustspielhaus. Unter dem Herzen. Ildiko von Kürthy.

Freitags gönne ich mir manchmal den Luxus mein Home Office ins Café Budapest zu verlegen. Der Nachteil: Anstatt mich wie geplant ernsthaft mit dem noch ernsthafteren Feuilleton auseinanderzusetzen, ertappe ich mich in der gemütlichen Atmosphäre oft beim Blättern in der „Gala“ oder ähnlichem Zeug. Heute wars die Brigitte. Und ich rechtfertige mich jetzt nicht… Beim durchflippen der Seiten stieß ich auf eine Kolumne von Ildikó von Kürthy, deren Buch „Mondscheintarif“ ich vor vielen Jahren kichernd verschlungen habe. Ob ich es heute noch mögen würde weiß ich nicht, denn Bücher aus der Reihe „Freche Frauen, freche Bücher“ finde ich inzwischen zum weglaufen. (Und das ist sehr sehr höflich formuliert.) In Kürthys Kolumne ging es um die Vereinbarkeit von Kind und Karriere, eins meiner eigenen Themen zur Zeit. Und, wie schön!, die Kolumne war kein bisschen blöd, kein bisschen lebensfern und wirklich nett geschrieben. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass Kürthys Ratgeber „Unter dem Herzen- Ansichten einer neugeboren Mutter“  auch nicht vollständig bescheuert ist, so wie sonst ungefähr jeder Ratgeber, den ich bisher zu dem Thema angefasst und sofort wieder fallengelassen habe, weil er mir entweder zu öko, zu rüschig oder zu bemüht cool daher kam. Da mir das Risiko aber zu groß ist, doch vielleicht Unsinn zu kaufen, würde ich mir lieber die szenische Lesung mit der Autorin höchstpersönlich in München ansehen.

P1030411So. Und jetzt ab ins Wochenende. Und egal ob es regnet: Schmeißt den Grill an!!!

 

Schreibe einen Kommentar

Du musst diese Aufgabe lösen um einen Kommentar abgeben zu können: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.