Sekt und Brezel

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This article was written on 23 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Frauenquote. Gedanken dazu.

Letzten Freitag Mittag ist die gesetzliche Frauenquote gescheitert. Union und FDP haben dagegen gestimmt, die Opposition will es unbedingt. Frauenquote heißt, dass ein gesetzlich festgelegter Prozentsatz von FührungsposIMG_0153itionen durch weibliche Menschen besetzt werden muss. MUSS. Es geht um Führungspositionen.
So, gescheitert. Ich als Mensch mit Vagina – also Frau -, als angehende Arbeitskraft – auch eine führende Position anstrebend natürlich – müsste mich doch jetzt irgendwie emotional regen. Zumindest müsste es mich sehr interessieren, denn es geht doch hier vermeintlich um meine Zukunft. Die Politik meint mir den Weg ebnen zu müssen, den Frauen meiner Generation – denn wir sind doch die kommenden Führungspositionbesetzerinnen – die Chance geben auch mal im Ledersessel im obersten Stock dirigieren zu dürfen.
Wie ist das denn eigentlich im Theater mit den Frauen in Führungspositionen, mh?! IMG_0060Als Intendantinnen, Chefdramaturginnen, Festivalleiterinnen, freischaffende Künstlerinnen, Beleuchtungsmeisterinnen…!? Ich glaube nicht so gut… Nein, auch meine Recherchen haben ergeben, dass es gar nicht gut aussieht mit den Frauen in der Theaterszene.
Eine tolle, aber leider etwas veraltete Graphik aus dem Jahr 2011 habe ich auf dem Blog „Spielplan Deutschland“ gefunden – der leider etwas eingeschlafen aussieht, aber trotzdem Spaß macht!

http://www.spielplandeutschland.de/2011/05/die-intendantinnen/

Das was sich auf der Ebene der Intendantinnen abspielt, dass es nämlich kaum welche gibt, ist auch bei den anderen „führenden“ Berufen im, am und um das Theater zu beobachten.

IMG_0056Warum das so ist, weiß ich nicht. Weil die Politik kacke ist? Weil Männer stärker sind? Weil Frauen einmal im Monat ihre Periode haben? Weil Männer einen Schnurrbart haben? Weil Frauen keine „guten“ Ideen haben und doch lieber zu Hause neue Kochrezepte ausprobieren? Weil es strukturell bedingt ist? Weil es gesellschaftlich immer noch nicht durchgesetzt ist, dass Männer zu Hause bei dem Nachwuchs bleiben? Auf das alles habe ich eben keine Antwort.
Ich habe keine Angst vor meiner Zukunft in der Theaterszene, weil ich eine Frau bin. Vielleicht ist es naiv. Zumindest hätte mich die Frauenquote jetzt nicht besonders gefreut, weil ich mir davon was versprechen könnte. Wenn dann habe ich Angst, weil es Theater ist, Stichwort Gießener Aufstand im Maxim Gorki.
Mein Grundvertrauen in die Zukunft speist sich aus meiner Generation aber noch viel mehr aus meinem Umfeld. Geschlechtliche Unterschiede werden schon auf einer ganz anderen Ebene überwunden und nicht mehr in der Jobverteilung bemüht. Ich glaube nicht an einen geschlechterspezifischen Unterschied, der uns mal eben so angeboren wurde und wächst und gedeiht bis ich „erwachsen“ bin und dann meine persönliche Berufskarriere beeinflusst. „Frauen haben kein Durchsetzungsvermögen.“ „Männer sind skrupelloser.“ Solche Erklärungsmuster stimmen einfach nicht. Wegen solchen Argumenten brauche ich keine Frauenquote. In der Uni oder im Job habe ich noch nie darüber nachdenken müssen, dass ich Männern gegenüber benachteiligt werde. Was bringt die Frauenquote denn genau?! Ich bin schon priviligiert als Geisteswissenschaftsstudentin und die Frauen, die durch die Quote in den Aufsichtsrat von der Deutschen Bank kommen, haben wahrscheinlich kein gravierendes Problem mit weiblicher Unterdrückung. (Oder häuslicher Gewalt… ) Hinzu kommt, dass ich schon sehr viele, sehr beeindruckende Frauen der Theaterszene kennen gelernt habe und mir nie der Eindruck vermittelt wurde, dass ich irgendwas nicht machen kann, weil ich statt einem Penis eine Vagina habe.IMG_0204
Doch nur weil ich bis jetzt nie Probleme hatte als Frau irgendwo eingestellt zu werden, oder das zu machen worauf ist Lust habe, heißt es nicht, dass es kein Diskriminierungsproblem gibt und dass es nicht Frauen in Deutschland gibt, die mit vielen Hürden zu kämpfen haben, weil sie eben eine Frau sind. Ich hab zum Beispiel keine Ahnung wie das heutzutage als Physikstudentin oder angehende Ärztin ist. Zumindest wurde dieses Problem erkannt und wieder auf die Tagesordnung gebracht. Allerdings ist die Frauenquote eben ein Instrument, was am falschen Ende mit der Problemlösung beginnen will. Viel wichtiger ist den Diskurs zu führen, weiter zu denken und daran zu arbeiten! Aber ich find es fast schon höhnisch diese Diskussion so verstärkt auf der Führungsposition-Ebene zu führen. Die bisherige Emanzipation ist nicht einfach so passiert und wird auch nicht als Selbstläufer am Leben bleiben. Deswegen befriedigt mich eine Frauenquote auch nicht. Es muss weiter im Denken der Menschen, der ganzen Gesellschaft voran getrieben werden. Die Diskussion muss geführt werden, vertikal durch alle Berufsgruppen und Positionen hindurch. Es muss genau hingeschaut werden. Und das alles nicht durch ein Gesetzt entschieden werden. Dadurch werd ich leider auch nicht Indendantin…

7 Comments

  1. Judith Höffkes
    23. April 2013

    Nun, zwar komme ich nicht aus einem Theater (-wissenschaftlichen) Hintergrund, aber auch ich habe eine Vagina und beschäftige mich ebenfalls mit Fragen rund um Geschlechtergerechtigkeit, also geb ich einfach mal meinen Senf dazu:
    Natürlich ist es mit einer Frauenquote, vor allem in Führungspositionen, nicht getan. Ich persönlich strebe zurzeit überhaupt keine Führungsposition an und störe mich als weiblicher Mensch eher an an anderen gesellschaftlichen Debatten. Zum Beispiel erschrickt mich das hohe Armutsrisiko, dass ich mit einer Schwangerschaft eingehen würde, auch nervt mich hochgradig ein von mir empfundener Alltagssexismus, der jedoch offensichtlich von vielen anderen Menschen gar nicht nachvollzogen wird. Neuer Strukturkonservativismus, ein veraltetes Familienbild, unfassbare Ungleichheit in der Bezahlung – darüber denk ich mehr nach als über die Frage, wie viel Frauen in Aufsichtsräten sitzen.
    Jedoch ist es ja nicht so, dass die Frauenquote als Lösung aller Probleme gesehen wird. Sondern halt nur als eines von vielen Instrumenten, die den Weg zu einer wirklichen, vollkommenen Geschlechtergerechtigkeit ebnen sollen. Und natürlich wäre es großartig wenn Quoten nicht notwendig wären, vor allem da sie viele andere Probleme und Stigmatisierungen auslösen. Jedoch empfehle ich an dieser Stelle, wie fast immer bei feministischen Diskursen, ein Blick auf Zahlen. Und diese belegen nun mal, dass die jahrzehntealten Forderung nach Gleichstellung in Betrieben, die vielen Frauengifpeln, die selbstauferlegten und natürlich freiwilligen Quoten leider in keinster Weise ihre Versprechen erfüllt haben. Ganz im Gegenteil – Erfahrungen aus dem politischen Betrieb so wie Ländervergleiche beweisen, dass die Quote das einzige bekannte Mittel ist, um Frauen ausreichend zu fördern und all die von dir erwähnten Prozesse, wie Vereinbarung von Beruf und Familie oder auch ein Umdenken von stigmatisierenden Rollenbildern, ernsthaft anzugehen.
    Ich würde also wahnsinnig gern in einer Gesellschaft leben, in der die Diskurse allein ausreichen um die bestehenden strukturellen Ungleichheiten auch empirisch zu negieren – aber die Erfahrung zeigt, dass ein gesamtgesellschaftliches Umdenken nun mal durch Instrumente wie die Quote effektiver umgesetzt wird.

  2. stefanie
    23. April 2013

    Ja, das liebe Thema Frauenquote …. bin ich dafür … bin ich dagegen? Natürlich bin ich als Frau erstmal dafür. Schließlich geht es um für die Gleichberechtigung der Frauen! Aber möchte ich die Führungsrolle bekommen weil es Gesetz ist? Natürlich will ich keine Quotenfrau sein sondern die Stelle bekommen weil ich gut bin. So wie die Männer, die oben sitzen? Haben die alle die Stelle bekommen, weil die gut sind… ?
    Es liegt leider noch einiges im argen. Die Liste ist bekanntlich lang. Ob Gleichberechtigung bei der Bezahlung, die so schön formulierte „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, oder, oder, oder.
    Aber irgendwo muss es doch anfangen bzw. weitergehen. Von mir aus bei der Frauenquote. Sonst wird das ganze Thema Gleichberechtigung noch ewig dauern.

  3. lisa
    24. April 2013

    ich habe mir gestern zum ersten mal das cicero magazin gekauft. (vermutlich auch zum letzten mal…) titel: „tugendfuror. übertreiben wir es mit der politischen korrektheit“ es geht nicht direkt um die frauenquote und auch nicht nur um die gleichstellung von frau und mann, aber im grunde dann doch wieder. und ich frage mich, warum diese debatte so oft auf eine komische art und weise geführt werden muss. warum es nicht einfach möglich ist zu diskutieren, wie jetzt grade hier? der autor des leitartikels schreibt nur zynisch und gehässig über gleichstellungsfragen und ich würde gerne wissen, warum.

    • Ruth
      24. April 2013

      Ich glaube, weil er ein Mann ist. Hört sich platt an, ist aber glaub ich so.

      • lisa
        24. April 2013

        Na ja, es gibt auch ein Interview mit einer Feminnistin, das von einer einer Frau geführt wird. Und das ist auch so biestig irgendwie…

        • Ruth
          24. April 2013

          stimmt, liegt nicht unbedingt nur an Männern, hast Recht.

  4. Ruth
    24. April 2013

    Frauenquote ist als Thema genauso schwierig wie generell die ganze Gleichberechtigungs-Emanzipations-Thematik. Ich habe mal als Referentin in einer Fachstelle für Gender Mainstreaming gearbeitet und war immer sehr irritiert, wenn die Frauen aus der 68er-Generation mir einreden wollten, wie diskrimiert ich als Frau bin und wie wenig gleichberechtigt. Ich habe mich nie so gefühlt und hatte immer den Eindruck, dass diese Frauen aus einer anderen Generation kommen und die Frauen aus meiner Generation ganz anders groß geworden sind und sich viel selbverständlicher auch gleichberechtigt sehen. Ich wurde wegen dieser Meinung allerdings immer als unpolitisch und un-kämpferisch bezeichnet.
    Ich muss allerdings sagen, dass ich mich zur Zeit in meiner Roller als Mutter zum ersten Mal nicht gleichberechtigt fühle und finde deshalb, dass die Diskussion um die Frauenquote an komplett falscher Stelle geführt wird. Es ist mit einem Kind total schwierig arbeiten zu gehen – zumindest wenn man einen Job haben möchte, der der eigenen Qualifikation entspricht und dementsprechend flexibel mit Arbeitszeiten sein muss bzw. sein sollte (das gilt im Übrigen genauso für die Männer, allerdings sind es eben zum großen Teil die Frauen, die mit weniger Stunden einsteigen. Für mich total ok, aber sicherlich ein weiterer Punkt zu diskutieren.) Einen Kita-Platz zu bekommen ist grundsätzlich schon nicht selbstverständlich, einen Kita-Platz mit flexiblen Zeiten zu kriegen unmöglich, die gibt es nämlich schlichtweg nicht (zumindest in Bochum…). Es gibt Plätze von 8 bis 13 Uhr, von 8 bis 15 Uhr oder von 8 bis 17 Uhr. Wenn man also eine Teilzeitstelle mit 25 Stunden hat und vielleicht 3 Vormittage und einen ganzen Tag arbeitet, braucht man den Platz bis 17 Uhr, muss dann aber jeden Tag bis 17 Uhr bezahlen. Ich frage mich, wie machen das Einzelhandelskauffrauen, Krankenschwestern, oder gar alleinerziehende Frauen? Haben die alle Omas und Opas nebenan wohnen? Meiner Meinung nach ist genau das das Thema, was dazu führt, dass Frauen kaum in höhere Positionen rücken. Oder dass Frauen eben keine Kinder bekommen. Das wurde alles schon oft gesagt, ich erlebs nur grad am eigenen Leib und möchte der unsäglichen Kristina Schröder zurufen: werd mal wach und guck dir mal die Realität an.

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