Sekt und Brezel

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This article was written on 12 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Wie zusammen Leben? Über Chétouanes Arbeit M!M. Von Laura Strack.

Unsere liebe Freundin Laura Strack hat einen Text für Sekt&Brezel über Laurent IMG_0102Chétouanes Arbeit, die wir heut gucken werden, geschrieben! Vielen Dank Laura!! Ich finde der Text macht nochmal mehr Lust heute zum Pact zu fahren! Außerdem hat Laura Laurent Chétouane in Hamburg zur Premiere von M!M besucht und einen WDR3 Beitrag gebastelt der ebenfalls Spaß macht, auf Freundschaft und heut Abend einstimmt. Ich freu mich!

„Da surrt und flimmert und raucht sie vor sich hin, unsere schöne Welt und in den ganzen Einsen und Nullen sollen irgendwo Gedanken schwirren und Ideen oder Träume. Da rufen sie alle schon so laut, dass sie einsam und traurig sind und dass sie bitte jemanden zum Spielen haben möchten und dass es ja gar nicht mehr auszuhalten ist, so laut ist es geworden.

Da kann man gar nirgendwo mehr hingucken und gar keine zwei Augen mehr unter den Unzähligen sehen und gar nicht mehr spüren, wenn da eine der Abermilliarden Hände die Schulter berührt und überhaupt, die Schulter, wo ist die denn? Man kann die Augen auch gar nicht mehr blauprügeln oder ausstechen, denn da sind ja so viele oder nur noch eins oder gar keines und die ganzen Augen machen eine große, wabernde Masse aus glitschigen Augen, auf denen man herumschlittert und gar nicht weiß, wohin. Und wenn man dann denkt, da, jetzt hat man was gefunden, was man lieben oder ärgern kann, in dem glitischen Augenmeer, dann krallt man es sich und fängt an, es zu haben und knetet und formt es mit den Händen, die hängen vielleicht noch irgendwo da an der Schulter und dann stopft man es zurück in den Augenberg und spaziert darauf herum und wuselt sich so durch, aber man ist ganz allein, ganz allein mit den ganzen Augen.

IMG_0367Keine Frage erscheint mir brennender und dringlicher als die, wie wir zusammen leben können auf diesem Planeten, der uns unter Fingern wegbröckelt, inmitten der Bilder und Worte, die uns rund um die Uhr die Welt verklären, in diesem fasrigen Kontinent, dem alle Glieder so schmerzen, dass es kracht und er doch gar nicht weiß, warum.

Was bedeutet es, plötzlich vor einem Menschen zu stehen, der einen anguckt mit seinen Augen und seiner Schulter und überhaupt allem, was da an den Augen und an der Schulter noch so dranhängt?

Kann ich überhaupt noch antworten, wenn da plötzlich einer steht, der meine Sprache nicht spricht und nicht weiß, wohin mit sich und der Welt?

Kann es ein Zusammensein geben, irgendwo, wo ist das Irgendwo und wie und mit wem?

So theoretisch aufgeladem manch einem die Arbeiten von Laurent Chétouane auch erscheinen mögen und so rechtmäßig man darin einen prophetischen Gestus fürchten oder über ihn lächeln mag – seine Choreographien können, glaube ich, von einem ganz innigen und aufrichtigen Wunsch erzählen, die Bühne, den Moment, das Leben zu teilen und von der Hoffnung, sich irgendwo in Frieden die Zeit vertreiben zu können, ohne das Ganze unter ein Gesetz, einen Namen, einen Anlass stellen zu müssen. Wer auch nur ein ganz wenig daran interessiert sein könnte, über die Möglichkeit und die Möglichkeiten von Begegnung nachzudenken, eine Art der Begegnung ins Auge zu fassen, die die Enge sprengt und Halt in der Weite gibt, der sollte sich das Gastspiel von Laurent Chétouanes neuem Stück M!M am Freitag bei PACT Zollverein nicht entgehen lassen.“

Und hier „Tanz zum Hören“, Laura´s Beitrag für das WDR3 Kulturmagazin Mosaik:

http://www.wdr3.de/buehne/transfabrik101.html

ach, ich freu, freu mich!

 

 

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