Sekt und Brezel

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This article was written on 11 Apr 2013, and is filled under Allgemein.

Wieder ein voller Fragebogen!

Am Freitag gehe ich mal wieder in eine Premiere. Puh. Wie hier gesagt, ist das nicht grade mein Liebstes. Ich weiß jetzt schon, dass ich schrecklich aufgeregt sein werde, weil ich doch so mitfiebere. Zum Beispiel mit meiner lieben Kollegin Suse Kipp, die eben diese Produktion Mighty Society – Die Restposten betreut hat. Daumen gedrückt! Suse war so nett und hat sich (trotz Endprobenstress!) unseres Fragebogens angenommen. Sie ist Malerin und arbeitet am Dortmunder Schauspiel als Souffleuse. Es heißt übrigens, dass Souffleusen ein untrügliches Gespür für die jeweilige Produktion haben, in der sie sitzen und schon  früh genau wissen, wo die Reise hingehen wird. Also: Fragt die Souffleusen!

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Name: Suse Kipp

Beruf: Theatersouffleuse, Malerin

Ausbildung: Theaterwissenschaftsstudium /Köln (nicht beendet)

www.susekipp.de

1.Wie bist du zum Theater gekommen?

Durch einen Beleuchter -Job in der Hochschule für Musik /Köln bei einem internationalen, 10tägigen Theaterfestival

2.Was haben deine Eltern dazu gesagt?

Meine Eltern sahen mich lieber auf der wissenschaftlich/intellektuellen  Schiene als in der praktischen  Theaterarbeit.

3.Was war deine Lieblingsinszenierung? / Mit wem hast du sie  gesehen oder gemacht?

Das reicht von Brechts „Arturo Ui“ von Heiner Müller, das er während des 5er – Direktoriums am Berliner Ensemble gemacht hat, über eine eigene Inszenierung von Kafkas Stoff „Die Verwandlung“mit dem Frauentheater Mäanda unter dem Titel „Hoffentlich ist es nichts Ernstes“ in der Klosterruine am Alexanderplatz/ Berlin bis hin zu „Sansculottes“ von Frank Castorf an der Volksbühne, wobei es der Zufall wollte, dass ich den Abend mit Frank Castorf als „Ersatz“ für Henry Hübchen gesehen habe.

Dazwischen seien hier aber auch Inszenierungen von Pina Bausch,  Roberto Ciulli oder Renee Pollesch und Christoph Schlingensief pauschal erwähnt.

3.Und was die schlimmste? Warst du wütend oder traurig?

Die schlimmsten Sachen waren  Andrea Breth- Inszenierungen an der Schaubühne oder späte Robert Wilson – und Peymann Inszenierungen am Berliner Ensemble. Trauer empfand ich gemischt mit meiner jeweiligen Wut , wenn ich die Regisseure zuvor mal toll gefunden hatte  und meine Erwartungen diesbezüglich durchkreuzt wurden.

5 . Was liebst du am Theater? / Wo ist dein Lieblingsort im Theater?

Ich mag das Prozesshafte am Theater. Ein Prozess, der von Kommunikation , Diskurs und Zufall bestimmt sein kann. Mein Lieblingsort  ist die erste Reihe. Als Souffleuse ist dort ja meistens mein Platz. Ein Sitz sozusagen in der vierten Wand.

6. Und was geht gar nicht am Theater?

Pure Wut empfinde ich, wenn die Inszenierung das Ereignis, das ein Theaterabend für mich sein muss, damit ich interessiert bin, ins Boulevardeske herabzieht und überhaupt kein Wagnis eingeht. Zusätzlich noch die perfide Seite des Theatersystems/betriebs unfreiwillig oder auch freiwillig zur Schau stellt.

7. Wenn du dir etwas fürs Theater wünschen könntest…?

Mehr Respekt vor der Arbeit, grösseres Verständnis zwischen den unterschiedlichen Schwesterkünsten, Gewerken und Kollektiven in der Zusammenarbeit

8.Was, wenn nicht Theater?

Wenn nicht Theater , verschwinden wir vollkommen im konsumierenden  Cyberspace, in der Retorte, in der reinen Selbstbestätigung ohne körperliche und sensitive Begegnung miteinander.

9. Was wolltest du immer schon mal gern im Theater machen?

Nichts anderes als das, was ich jetzt tue: arbeiten.

10. Wie stehst du zu Getränken im Besucherraum?

Ist mir recht.

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