Sekt und Brezel

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This article was written on 27 Mai 2013, and is filled under Allgemein.

Probentagebuch ‚4.48v0.1‘ (AT) – Anna-Lena Klapdor berichtet. danke!

Donnerstag 09 Mai 2013 – [noch elf Tage bis Probenbegin.]

IMG_0791Probentagebuch? Das passt noch nicht so ganz, denn geprobt wird gerade noch nicht. Im Moment gibt es noch nicht mal einen Ort zum Proben, zumindest nicht für den geplanten Probenblock in den Pfingstferien. Aber lasse ich mich davon aus der Ruhe bringen? Momentan noch nicht. Noch bin ich damit beschäftigt, ein anderes Projekt zu organisieren und zu konzipieren, das früher Premiere hat als mein Szenisches Projekt II. Außerdem gibt es da noch drei Seminare, für die ich lesen muss, einen Nebenjob, bei dem ich physische Präsenz zeigen muss, zu pflegende Beziehungen und, ach ja, schlafen und ein wenig Freizeit zwischendurch muss natürlich auch sein. Viel Material zum Prokrastinieren also. Dennoch schwebt in meinem Hinterkopf der kommende Montag, an dem ich das erste Mal Gelegenheit haben werde, der Reaktion auf meinen Aufruf in der Realität zu begegnen…

 

Montag 13 Mai 2013

Es ist fast 14 Uhr und ich sitze in der Küche, irgendwo zwischen nervös sein, Tee trinken, rauchen und an meinem Laptop herum werkeln. Die beste Vorbereitung erscheint mir, etwas zu tun, dass mir das Gefühl gibt, perfekt vorbereitet zu sein. Also lese ich jetzt nochmal Sarah Kane. Ein Blick in meine BA-Arbeit vor ein paar Tagen hat gut und schlecht getan. Gut, weil ich einige meiner Thesen tatsächlich vergessen hatte. Schlecht, weil ich viele Fehler jetzt klarer sehe, die mir damals in der Hitze der Abgabe entgangen sind.
Interessant. take the piss bedeutet soviel wie jemanden verarschen. Das hab ich in meiner BA-Arbeit anders interpretiert.

 

Sonntag 19 Mai 2013

Auf meinem Balkon scheint die Sonne. Sitze hier noch im Schlafanzug umd 15 Uhr und genieße die Tatsache, dass ich IMG_0783auch auf dem Balkon Probentagebuch schreiben kann. Ich bin froh, dass ich es irgendwie geschafft habe, die kommende Woche halbwegs so zu planen, dass ich nur mit und für die Proben beschäftigt bin. Vor ein oder zwei Jahren hätte ich mir noch nach den Proben Termine für andere Sachen aufgehalst und mir die Tage ziemlich zu gebaut, aber zum Glück hab ich dann doch schon was gelernt über das energiehaushaltstechnisch vernünftige Planen von Projekten, vor allem wenn man mehr als eins irgendwie koordieniert kriegen muss.

 

Donnerstag 23 Mai 2013 [die Proben laufen seit Montag]

Es ist 8.33 Uhr und ich sitze mit schwarzem Tee in meiner Küche und versuche, wach zu werden. Dass ich überhaupt um die Zeit auf bin, wo ich doch keine Seminare mehr um 10 Uhr morgens belege, weil ich es sowieso nicht schaffe, rechtzeitig aufzustehen, erzählt schon eine Menge über die letzten beiden Probentage. Ich bin hochmotiviert, denn ich bin seit zwei Tagen nur von hochmotivierten Menschen umgeben, die alles so viel besser können und finden als ich vorher gedacht hätte. Ich glaube, ich habe mich vor Erwartungen gehütet, nur um jetzt dauernd vom Hocker gehauen zu werden davon, wie gut alles erstmal funktioniert. Klar gibt es diese leise Stimme in meinem Kopf, die sagt, dass auch noch schlechte Tage kommen werden, aber im Moment ist es schwer, diese Stimme nicht für übertrieben pessimistisch zu befinden.
Ich habe mich auch vor allzu festen Vorstellungen gehütet, um den kreativen Prozess offen halten zu können und nicht an der Tatsache zu verzweifeln, dass es eben doch immer anders aussieht, sich anders anhört und anfühlt als in meinem Kopf. Was im Moment passiert, ist, dass ich gut finde, wovon ich vorher dachte, es würde nicht funktionieren, und umgekehrt. Das ist allerdings seltsam.
Ich bin sehr froh und dankbar, dass Anna Kpok mich tatkräftig unterstützt. Allein das Aufwärmen anzuleiten gerät bei mir teilweise zur Feuerprobe, weil ich zwar mindestens 468.395 Aufwärm-Übungen und -Spiele kenne, mir aber 0 einfallen, wenn ich eins anleiten soll.

 

Sonntag 26 Mai 2013

IMG_0667Seit zwei Tagen ist der erste Probenblock vorbei. Wir haben einiges geschafft. Schon mehrere Textstellen chorisch eingerichtet, das Stehen auf der Bühne geübt, was für die Gruppendynamik getan. Der Muskelkater lässt langsam nach, andere Bereiche meines Lebens kriegen wieder Platz und ich hab einen ganzen Sack voller Ideen, kleinen Szenen, eingerichteten Texten, Vorschlägen und Gedanken. Jetzt muss ich ausprobieren, inwieweit ich aus diesem Material etwas bauen kann, was sich vielleicht wie eine Dramaturgie anfühlt. Während der Proben fühlte sich das Bauen eher pragmatisch an. Ich glaube, ich habe viel machen lassen, und eher dann etwas vorgegeben, wenn eine Idee von mir gefordert wurde. Schon komisch, diese „Regie-Position“ (der ich immer noch nicht ganz glauben mag), wenn man bisher hauptsächlich kollektiv oder unter der Regie von anderen gearbeitet hat. Ein wenig, als ob es ums Kinder erziehen geht, versuche ich nicht das zu machen, was mich früher aufgeregt hat in Projekten. Ich möchte niemandem eine Idee aufstülpen. Ich möchte, dass alle etwas mit dem Text anfangen können. Ich möchte, dass alle zu jeder Zeit wissen, warum sie auf der Bühne tun, was sie tun. So ging es mir bestenfalls, das hat mir die größte Sicherheit gegeben. Ich hoffe, ich kann das auch vermitteln.
Der Text ist schwieriger als erwartet. Es ist sehr leicht, ihm auf den Leim zu gehen, und im Moment habe ich keine Ahnung, ob ich uns davor schützen konnte, oder ob ich ihm so sehr auf den Leim gegangen bin, dass ich es gar nicht gemerkt habe.
Morgen steht ein kleiner Filmdreh an, genau wie Dienstag. Es geht um ein anderes Projekt, das eher Premiere hat. Trotzdem sollte ich es noch diese Woche schaffen, ein Dramaturgie-Treffen anzuleiern. Hoffentlich hat Anna Kpok Zeit für mich…

Anna-Lena Klapdor

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