Sekt und Brezel

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This article was written on 05 Jun 2013, and is filled under Allgemein.

Emese fragt Lisa was zu…Margot Maria Rakete

Am letzten Samstag war Sekt und Brezel mal wieder vereint im Theater. Wir haben „Das phantastische Leben der Margot Maria Rakete“ im Schauspiel Dortmund gesehen, eine „Kollektivsimulation“ mit dem Dortmunder Sprechchor, der sich inzwischen aus über 80 Personen zusammensetzt. Ihr habt vielleicht schon bemerkt, das wir uns dagegen sträuben Kritiken im klassischen Sinne zu schreiben. Das machen schon so viele andere und noch finde ich keinen Spaß daran, solche Bewertungstexte zu verfassen. Vielleicht kommt das noch oder ich finde eines Tages einen Zugang zu dieser Art von Text, der mir gefällt. So lange das noch nicht passiert ist, wollen wir euch aber nicht auf dem Trockenen sitzen lassen. Es ist doch schade, wenn wir euch dauernd erzählen, wie sehr wir uns auf dieses oder jenes freuen und dann nie wieder darüber sprechen. Und am Ende glaubt ihr uns gar nicht mehr, dass wir wirklich so oft ins Theater rennen. Deshalb werden wir es ab jetzt folgendermaßen machen: Die eine stellt der anderen Fragen, die sie gerne beantwortet haben möchte. Art und Anzahl ist variabel und hängt von der jeweiligen Inszenierung ab. Im besten Falle erfahrt ihr so ein bisschen was und im allerbesten Falle macht ihr euch selbst auf den Weg. In diesem Sinne: Voilá!

 

1. Wenn du einen Unterschied zwischen dem Dortmunder Sprechchor – als Laienchor – und einem professionellen Chor -zb. bei dem Regisseur René Pollesch– ausmachen kannst… kannst du? Und wenn ja, wie unterscheiden sie sich? bzw. machen sie einen Unterschied beim gucken?

Der letzte Sprechchor aus Profis, den ich gesehen habe, wer der in „Ein Chor irrt sich gewaltig“  von René Pollesch, übrigens eine meiner Lieblingsinszenierungen. Unterschiede zwischen diesen beiden Inszenierungen gibt es einige: Der (viel kleinere) Pollesch Chor war nicht allein auf der Bühne, sondern agierte mit verschiedenen Schauspieler*innen zusammen, als eine geschlossene Figur. Er ist z.B. mit den anderen Akteur*innen in den Dialog getreten („Warum hast du nicht angerufen!“), als spräche er mit nur einer Stimme. Das war unglaublich lustig! Was mich ebenfalls beeindruckt hat, war die wahnsinnige Präzision im Sprechen, die ich aber von einem Chor aus Profis auch erwarte und die es für diesen Ansatz brauchte. Es ging ja nicht um die einzelnen Sprecherinnen, deshalb wurde wohl alles getan, damit beinahe nie eine einzelne rauszuhören möglich ist. Außerdem waren sich die Sprecherinnen in zwei Eigenschaften ähnlich: Geschlecht und Alter. Ganz anders bei Margot Maria Rakete: Zwar ist auch hier der Chor eine Einheit, aber sowohl inhaltlich als auch szenisch wird deutlich, dass er ein hybrides Wesen ist, das aus verschiedensten Körpern und Gedanken besteht. Ich finde weder das eine besser, noch das andere schlechter, es sind einfach sehr unterschiedliche Ansätze. Allerdings halte ich die totale Geschlossenheit des Polleschchores als Idee für den Dortmunder Sprechchor für ungeeignet und bin froh, dass das auch gar nicht erst versucht wurde. Bei der „Rakete“ interessiert mich viel mehr, im Laufe der Aufführung etwas über die einzelnen Sprecher*innen zu erfahren, mir einzelne Gesichter anzuschauen. Ich finde es schön, dass herausgearbeitet wurde, wie heterogen die Gruppe ist, aber dass sie sich trotzdem immer wieder harmonisch zusammenfügt, um dann wieder bewusst zu zerfasern. Für mich macht es immer einen Unterschied, ob ich Laien oder Profis zugucke. Bei Inszenierungen mit Profis bin ich viel strenger mit den Leuten auf der Bühne, bei Inszenierungen mit Laien überaus streng mit dem Regieteam!

 

2. Hattest du einen Lieblingsmoment?

Es gab viele Momente, dich gerne gesehen habe. Zum Beispiel die Harlem Shake Sequenz, die war irgendwo zwischen sehr lustig und rührend zugleich. Auch die Szenen einzelner Choreut*innen habe ich sehr gemocht, die kann kaum kein*e ausgebildete*r Schauspieler*in so spielen. Weil die es nicht aushalten würden, nichts zu spielen. Oder die Glaubensbekenntnisse ganz am Anfang. Die waren  mutig, obwohl sie so still waren. Mir fällt noch mehr ein, aber dann verrate ich wohl zu viel…

3. Was würdest du davon auch gern mal machen?

Das phantastische Leben der Margot Maria RaketeAuftreten und so gefeiert werden, wie Lea bei ihrem Auftritt als Astronautin. Oder auch gerne jemand anderen so abfeiern!

 

4. Glaubst du, und wenn ja warum, dass dieser Abend auch Menschen gefallen kann, die nicht gern ins Theater gehen? Warum unterscheidet sich der Abend von anderen „intellektuellen arty farty“ Arbeiten?

Ich glaube ja, der Abend kann gefallen, auch wenn jemand nicht gerne ins Theater geht. Denn er erfüllt kein einziges Vorurteil: Er ist nicht langweilig, denn es macht viel zu viel Spaß sich die Einzelnen Sprecher*innen anzuschauen und es passiert unglaublich viel und immer wieder etwas Überraschendes. Er ist lustig und berührend zugleich. Er ist kein Abend, der schwer zu verstehen ist, der aber trotzdem Gedanken anstupsen kann.  Er unterscheidet sich von „intellektuellen arty farty“ Arbeiten, weil er wenig voraussetzt und weil er die Zuschauer*innen abholt.

 

5. Was wünscht du dem Dortmunder Sprechchor?

Das die Stimmung weiter so gut bleibt. (DAS war mal eine Premierenfeier!)

 

6. Was wünscht du dir vom Dortmunder Sprechchor?

Das es in der nächsten Arbeit noch einen Schritt weitergeht, was die Genauigkeit der Sprechtechnik angeht.

 

7. Begegnung oder vierte Wand?

Das war am schönsten! Begegnung! Die vierte Wand, die ich immer weniger leiden kann, war schlicht nicht vorhanden.

 

Noch Fragen, Emese? Hoffentlich keine ganz akuten. Draußen geht das Gehämmer wieder los…

 

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